Erste Steuererklärung als Berufseinsteiger: Wann sie sich lohnt und wie du dir dein Geld zurückholst

Frau sitzt am Laptop am Schreibtisch

Autor

Erika Waibel
Erika Waibel

Warum lohnt sich die Steuererklärung bei unterjährigem Berufseinstieg?

Ein unterjähriger Berufseinstieg (z. B. Arbeitsbeginn im Juli nach Studium oder Ausbildung) bietet die höchste Chance auf eine Steuerrückerstattung.

Der Grund ist die Funktionsweise des deutschen Steuersystems:

  1. Monatlicher Lohnsteuerabzug: Der Arbeitgeber behält monatlich Lohnsteuer ein, als würdest Du 12 Monate lang dasselbe Gehalt beziehen.

  2. Tatsächliches Jahreseinkommen: Bei der Steuererklärung berechnet das Finanzamt die Steuer rückwirkend auf Basis Deines tatsächlichen Gesamteinkommens im Kalenderjahr.

  3. Voller Grundfreibetrag: Dir steht für das gesamte Jahr der vollständige Grundfreibetrag zu. Dadurch hast Du in den ersten Arbeitsmonaten effektiv zu viel Lohnsteuer gezahlt und erhältst die Differenz vom Finanzamt zurück.

Steuererklärung als Berufsanfänger: Pflicht oder Freiwillig?

Situation Status Abgabefrist
Klassischer Berufseinstieg (Single, Steuerklasse 1) freiwillig bis zu 4 Jahre (31.12. des 4. Jahres)
Nebeneinkünfte über 410 € Pflicht 31. Juli des Folgejahres
Lohnersatzleistungen (z. B. Krankengeld) Pflicht 31. Juli des Folgejahres
Mehrere Arbeitgeber (Steuerklasse 6) Pflicht 31. Juli des Folgejahres

Was macht die Steuererklärung für Berufseinsteiger so besonders?

Als Berufseinsteiger ist die Steuererklärung oft freiwillig. Besonders wenn Du nicht das ganze Jahr gearbeitet hast, profitierst Du: Der Arbeitgeber rechnet die Lohnsteuer auf Basis eines vollen Jahres hoch und zieht sie monatlich ab. Tatsächlich hast Du aber weniger verdient, weshalb das Finanzamt bei der Steuererklärung die zu viel gezahlte Steuer zurückerstattet.

Darum gibt es unterjährig hohe Rückerstattungen

Monatlicher Lohnsteuerabzug

Der Arbeitgeber behält monatlich Lohnsteuer ein, als würdest Du 12 Monate lang dasselbe Gehalt beziehen. 

Tatsächliches Jahreseinkommen

Bei der Steuererklärung berechnet das Finanzamt die Steuer rückwirkend auf Basis Deines tatsächlichen Gesamteinkommens im Kalenderjahr.

Voller Grundfreibetrag

Dir steht für das gesamte Jahr der vollständige Grundfreibetrag zu. Dadurch hast Du in den ersten Arbeitsmonaten effektiv zu viel Lohnsteuer gezahlt und erhältst die Differenz vom Finanzamt zurück. 

Die 4 wichtigsten Absetzmöglichkeiten für Berufsanfänger

Berufsanfänger können zahlreiche Ausgaben im Rahmen von Werbungskosten bei der Steuer geltend machen. Eine gezielte Dokumentation dieser Posten erhöht die Chance auf eine Rückerstattung.

Werbungskosten senken Deine Steuerlast. Folgende Ausgaben lassen sich typischerweise beim Karrierestart absetzen:

  • 1

    Umzugskostenpauschale: Wenn Du für Deinen ersten Job umziehst und sich Dein täglicher Arbeitsweg hin und zurück um mindestens eine Stunde verkürzt, kannst Du eine pauschale Summe ohne Einzelnachweise ansetzen.

  • 2

    Entfernungspauschale (Pendlerpauschale): Du kannst 30 Cent pro Kilometer für die einfache Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte absetzen. Alternativ lassen sich höhere Ist-Kosten für öffentliche Verkehrsmittel anrechnen.

  • 3

    Homeoffice-Pauschale & Arbeitsmittel: Für jeden Arbeitstag im Homeoffice gilt ein fester Pauschalbetrag. Laptops, Fachliteratur oder Büromöbel lassen sich als Arbeitsmittel zu 100 % absetzen.

  • 4

    Verlustvortrag bei Zweitausbildung oder Master: Ausgaben für ein Masterstudium oder eine zweite Ausbildung können als Verlust vorgetragen werden. Dieser Verlust verrechnet sich mit Deinem ersten Gehalt und senkt die Steuerlast im ersten Berufsjahr drastisch.

Welche Tools eignen sich für die
Erstellung deiner Steuererklärung?

Je nach Präferenz stehen Dir verschiedene Wege offen:

  • ELSTER: Kostenloses Online-Portal des Finanzamts. Keine Ausfüllhilfen, aber gebührenfrei.
  • Steuer-Apps: Führen durch den Prozess und zeigen voraussichtliche Rückerstattung, meist kostenpflichtig bei Einreichung.
  • Lohnsteuerhilfeverein: Persönliche Beratung gegen einkommensabhängigen Mitgliedsbeitrag.

Finanzen im Griff mit der VR Bank Dreieich-Offenbach eG

Gut organisierte Finanzen vereinfachen die Steuererklärung:

  • Automatische Ausgabenkategorisierung: Mit der VR-Banking App kannst Du absetzbare Posten wie Fahrtkosten oder Arbeitsmittel schnell überblicken.
  • Rückerstattung clever nutzen: Lege das Geld vom Finanzamt als Grundstein für Deinen Notgroschen oder starte mit einem ETF-Sparplan.

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Du kannst eine freiwillige Steuererklärung bis zu vier Jahre rückwirkend einreichen. Die Frist endet jeweils am 31. Dezember des vierten Jahres nach dem betreffenden Steuerjahr.

Eine Steuererklärung während der Erstausbildung lohnt sich nur, wenn tatsächlich Lohnsteuer gezahlt wurde. Bei einer Zweitausbildung (z. B. Master) können Ausgaben als Verlustvortrag für den Berufseinstieg geltend gemacht werden.Eine Steuererklärung während der Erstausbildung lohnt sich nur, wenn tatsächlich Lohnsteuer gezahlt wurde. Bei einer Zweitausbildung (z. B. Master) können Ausgaben als Verlustvortrag für den Berufseinstieg geltend gemacht werden.

Ja, Bewerbungskosten – etwa für Fahrten zu Vorstellungsgesprächen, Bewerbungsfotos und Material für digitale oder schriftliche Bewerbungen – gelten als Werbungskosten und sind absetzbar.

Sie ist Pflicht, wenn Nebeneinkünfte über 410 €, Lohnersatzleistungen oder mehrere Arbeitgeber vorliegen. Prüfe Deine individuelle Situation für die genaue Einschätzung.

Für Berufseinsteiger eignen sich ELSTER (das kostenlose Portal), Steuer-Apps zur Vereinfachung sowie der Lohnsteuerhilfeverein für persönliche Beratung.

 

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